
Wolf Singer, Matthieu Ricard
Hirnforschung und Meditation.
Ein Dialog
Suhrkamp (edition unseld) 2008
ISBN 978-3-518-26004-3
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Auszug
(S. 80):
WS: Somit hat
die Meditation zwei Effekte: Zum einen lernt man seine
Aufmerksamkeitsmechanismen zu vervollkommnen und die Fähigkeit zu
verbessern, die Aufmerksamkeit unter willentlicher Kontrolle an Inhalte
zu binden und sie auch rasch wieder zu lösen –
MR: – und sich mit bestimmten Dingen nicht zu beschäftigen, wenn
man nicht will –
WS: – und wenn diese Fertigkeit schließlich hinreichend trainiert
wurde, läßt sich das Fenster der Aufmerksamkeit willentlich
öffnen und schließen, weiten oder verengen. Zum anderen
lernt man, seine Aufmerksamkeit auf innere Prozesse zu lenken, sich
dadurch mit ihnen vertraut zu machen und sie ins Bewußtsein zu
heben. Es scheint sich also um einen zweistufigen Prozeß zu
handeln. Zunächst werden die Aufmerksamkeitsmechanismen
kultiviert, und dann wird diese Erfahrung genutzt, um innere
Zustände zu erforschen und eine bessere Kontrolle über sie zu
erlangen.
MR: Das ist richtig. Zuerst lernt man auf die innere Welt zu achten, zu
unterscheiden zwischen den Emotionen und Geisteszuständen, die zu
Leid führen, und solchen, die das echte Glück wachsen lassen.
Danach übt man sich in verschiedenen Fertigkeiten wie
Aufmerksamkeit und emotionalem Gleichgewicht. Und zuletzt lernt man das
Verweilen im reinen Gewahrsein. Dabei versucht man stets, so etwas wie
ein Meta-Bewußtsein aufrechtzuerhalten, das überprüft,
ob man nun abgelenkt ist oder nicht, ob man sich an seinen Erfahrungen
festhält oder nicht.
(Copyright
Suhrkamp 2008)
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Ernst
Mayr
Konzepte der Biologie
S. Hirzel Verlag 2005
ISBN 3-7776-1372-X
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Auszug (S. 96 f.):
Gradualismus
versus Saltationismus
Darwins dritte Theorie besagt, dass sich der evolutionäre Wandel
stets
schrittweise, d. h. allmählich, und nie in Sprüngen
vollzieht.
Man wird weder die Hartnäckigkeit verstehen können, mit der
Darwin
auf der graduellen Evolution beharrte, noch den heftigen Widerstand
gegen
seine Theorie, wenn man sich nicht klar macht, dass zu jener Zeit
praktisch
jeder dem Essentialismus anhing. Neue Arten, die ja durch Fossilfunde
belegt
waren, konnten demnach nur aus neuen Ur-Sprüngen heraus entstehen,
also
durch Saltation. Weil die neuen Arten jedoch perfekt angepasst waren
und
es keine Hinweise auf häufiges Vorkommen schlecht angepasster
Arten
gab, sah Darwin nur zwei Alternativen: Entweder mussten diese
vollkommen
neuen Arten von einem allmächtigen und allwissenden Schöpfer
eigens
geschaffen worden sein oder – wenn man ohne übernatürliche
Kräfte
auskommen wollte – sie hatten sich in einem langsamen Prozess
schrittweise
aus einer früheren Art entwickelt und dabei in jedem Stadium ihre
Anpassung
aufrechterhalten. Darwin entschied sich für die zweite Alternative.
Die Gradualismus-Theorie bedeutete eine drastische Abkehr von der
Tradition.
Theorien, die die Entstehung neuer Arten mit Saltationen
erklärten,
hatte es seit den Vorsokratikern bis hin zu Maupertuis und den
Progressionisten
unter den Anhängern der Katastrophentheorie gegeben. Diese
saltationistischen
Theorien waren mit dem Essentialismus vereinbar.
Darwins völlig auf Gradualität aufbauende Evolutionstheorie –
nicht
nur neue Arten, sondern auch höhere Taxa entstehen durch
allmählichen
Wandel – rief sofort heftigen Widerstand hervor. Sogar seine engsten
Freunde
waren unglücklich darüber. Einen Tag vor dem Erscheinen des Origin
schrieb T. H. Huxley an Darwin: „Indem du natura non facit saltum
so vorbehaltlos übernimmst, lädst du dir eine unnötige
Schwierigkeit
auf ...“ (Darwin, F. 1887:2, 27) Obwohl ihn Huxley, Galton,
Kölliker
und andere Zeitgenossen bedrängten, beharrte Darwin
hartnäckig
auf der Gradualität der Evolution, dabei war er sich des
revolutionären
Charakters seines Konzepts voll und ganz bewusst. Fast jeder, der
irgendwann
über die Veränderungen in der organismischen Welt nachgedacht
hatte
– mit Ausnahme von Lamarck und Geoffroy Saint-Hilaire –, war
Essentialist
gewesen und hatte zu Saltationen Zuflucht genommen.
Warum Darwin so fest an den Gradualismus glaubte ist nicht ganz klar;
diese
Frage wurde bislang nicht angemessen untersucht.
Höchstwahrscheinlich
stellt der Gradualismus eine Erweiterung von Lyells Uniformitarismus
von
der Geologie auf die organismische Welt dar. Seine Arbeit mit
Haustierrassen,
insbesondere die mit Tauben, und seine Gespräche mit
Tierzüchtern
zeigten ihm, wie frappierend verschieden die Endprodukte einer
langsamen,
schrittweisen Auslese sein konnten. Das passte gut zu seinen
Beobachtungen
an Spottdrosseln und Schildkröten auf den Galapagos-Inseln, die
sich
am besten als Folge eines allmählichen Wandels erklären
ließen.
(Copyright
S. Hirzel Verlag
2005)
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Reader's Digest
Das Neueste aus der Medizin 2005
Verlag Das Beste 2005
ISBN 3-89915-245-X
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Auszug (S. 136):
Brustkrebs
- Risikoanalyse per Biochip
Alljährlich erkranken in Deutschland, Österreich und der
Schweiz
rund 54 000 Frauen an Brustkrebs. Bei 30-50 Prozent kommt es nach der
Tumorentfernung
zu einem Rückfall. Da sich bisher nicht vorhersagen ließ,
welche
Frauen Metastasen entwickeln würden, behandelte man die meisten
vorsorglich
mit Strahlen- oder Chemotherapie. Das heißt, dass auch viele, die
durch
die Operation allein geheilt gewesen wären, die weitere Therapie
und
ihre Nebenwirkungen ertragen mussten.
Fortschritt durch Biotechnologie. Auf dem Kongress der
europäischen
Krebsforscher in Wien und auf der Medizin-Messe MEDICA in
Düsseldorf
wurden im November 2004 viel versprechende Instrumente vorgestellt, die
helfen
könnten, Übertherapie zu vermeiden bzw. die individuell
richtige
Behandlung zu ermitteln: Biochips oder Microarrays genannte
Speziallabore
im Miniaturformat, mit denen man die genetischen Eigenschaften von
Tumorgewebe
analysieren kann.
So funktioniert es. Tumorzellen unterscheiden sich nicht nur vom
gesunden
Gewebe, es gibt auch verschiedene Brustkrebstypen. Bei diesen sind auf
der
molekularen Ebene sind jeweils unterschiedliche Gene aktiv. Auf den
daumennagelgroßen
Biochips befinden sich genau definierte DNA-Abschnittel. Werden Proben
von
Tumorgewebe darauf gegeben, in denen passende Gegenstücke
enthalten
sind, entstehen fluoreszierende Verbindungen, die unter UV-Licht
sichtbar
werden. Das Verteilungsmuster der Leuchtpunkte erlaubt dann
Rückschlüsse
auf Art und Zustand des Tumors.
Der DualChip human breast cancer der Hamburger Firma Eppendorf z. B.
enthält
über 200 Gene zur Typisierung von Brustkrebstumoren. Seine
Zuverlässigkeit
im Vergleich zu normalen Laboruntersuchungen wird derzeit in einer
Studie
getestet. Auch eine Rotterdamer Forschergruppe überprüft eine
Auswahl
von 76 Genen mit dem Genchip eines amerikanischen Herstellers in einer
größeren
Studie. Sollten sich die Ergebnisse von Vorstudien bestätigen,
dann
könnte man bei etwa 30-40 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs,
deren
Lymphknoten jedoch noch nicht von der Krankheit befallen sind, guten
Gewissens
auf eine Chemotherapie verzichten, meint Dr. med. Jan Klijn, der Leiter
des
Teams.
(Copyright Verlag Das Beste 2005)
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Rosenn
Le Page, Denis Retournand
ABC der Gartenblumen
Richtig säen, pikieren, pflanzen und pflegen
Gondrom 2005
ISBN3-8112-2466-2
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Textbeispiel (S. 166f.):
Ranunkel (Ranunculus asiaticus)
Die Ranukel
möchte
wenigstens den halben Tag lang Sonne haben. Sie bevorzugt
durchlässige
nährstoffreiche Kalkböden. Zum Pflanzen in Töpfe sollten
Sie
ein leicht saures, durchlässiges Substrat verwenden. Ranunkeln
sind
nicht frosthart und können nur in milden Gegenden im Freien
überwintert
werden.
Kulturanleitung
Pflanzen
Ranunkeln pflanzt man im September-Oktober. Legen Sie die
klauenförmigen Wurzelknollen am Abend vorher in lauwarmes Wasser.
Am nächsten Tag breiten Sie die Knollen so gut wie
möglich
in den etwa 10 cm tiefen Pflanzlöchern aus und bedecken sie mit
Kompost.
Der Pflanzabstand beträgt 15 cm. Die ersten Blätter werden
erst
im nächsten Frühjahr erscheinen. Bedecken Sie die Ranunkeln, die
Sie in den Garten gepflanzt haben, im ersten Winter unbedingt mit einer
dicken Laubschicht.
Zur selben Zeit können Sie Ranunkeln auch in Töpfe pflanzen
(Durchmesser
15 cm). Verwenden Sie leicht saure Geranienerde. Die Töpfe bleiben
den
Winter über im Freien.
Pflegemaßnahmen
Sobald sich die ersten Blüten zeigen, geben Sie einmal pro Woche
Blühpflanzendünger
ans Gießwasser (auch bei den Ranunkeln im Garten). Gegossen wird,
bis
sich das Laub gelb färbt.
Markieren Sie
den Standort Ihrer
Ranunkeln mit einem Hölzchen, denn im Herbst zieht
das Laub vollständig ein.
Sortenempfehlungen
Ranunkeln gibt es in allen Farben außer Blau. Zu den
schönsten
Sorten gehören 'Bloomingdale' F1-Hybriden (25 cm) Topfsorte,
'Victoria'
F1-Hybriden (60 cm) Schnittsorte.
(Copyright
Gondrom
2005)
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Uffe
Ravnskov, Udo Pollmer
Mythos
Cholesterin
Die
zehn größten
Irrtümer
S.
Hirzel Verlag 2002
ISBN
3-7776-1181-6
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Auszug
(S. 46 f.):
Cholesterin
in der Nahrung
Seit Jahren wird uns
gepredigt, wir sollten weniger cholesterinreiche
Lebensmittel essen, weil das Cholesterin in der Nahrung die
Cholesterinspiegel
im Blut steigen lässt, und wenn das Cholesterin im Blut hoch ist,
droht der Infarkt. Wenden wir uns den vermeintlichen "Opfern" einer
übermäßigen
Cholesterinzufuhr zu. Sie sind ideale Versuchspersonen zur
Überprüfung
der These. Stimmt sie, müssen sie mehr Cholesterin gegessen haben
als Menschen ohne Anzeichen einer koronaren Herzkrankheit. Die
Forschungsergebnisse
sagen jedoch etwas anderes. Tabelle 2 enthält die Daten von
Studien,
die den Cholesterinverzehr von gesunden Menschen mit dem von
KHK-Patienten
verglichen.
Wie Sie ohne Weiteres erkennen können, gibt es keine
größeren
Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. In manchen Studien hatten die
KHK-Patienten ein wenig mehr Cholesterin gegessen als die
Kontrollpersonen,
aber in ebenso vielen war es genau umgekehrt. Wenn man alle Studien
zusammen
betrachtet, hatten die Patienten mit koronarer Herzkrankheit im Schnitt
508 mg Cholesterin pro Tag zu sich genommen, also weniger als die
Kontrollpersonen.
Deren durchschnittlicher Cholesterinkonsum lag nämlich bei 518 mg.
Wenn die Fett-und-Cholesterin-Theorie zuträfe, müsste aber
der
Cholesterinverzehr der KHK-Patienten signifikant höher sein als
der
der Vergleichspersonen. War er aber nicht.
Unterm Strich
Die vielen Studien,
die durchgeführt wurden, um die Fett-und-Cholesterin-Theorie
zu testen, zeigten lediglich eine schwache Korrelation zwischen der
koronaren
Herzkrankheit in verschiedenen Ländern und dem dort
verfügbaren
Nahrungsfett. Aber es gibt keinen Unterschied zwischen dem Fettkonsum
von
gesunden Menschen und KHK-Patienten. Aus diesem Grund kann der
untersuchte
Faktor, das Fett, nicht die Ursache der Erkrankung sein.
(Copyright
S. Hirzel Verlag
2002)
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Tom
Shachtman
Minusgrade
- Auf
der Suche
nach dem absoluten
Nullpunkt
Rowohlt
TB Verlag 2001
ISBN
3-499-61118-X
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Auszug (S. 50 f.):
Krieg
der Thermometer
Die
wissenschaftshistorische Kurzversion
lautet: In einem Geniestreich erfand Galileo 1592 das Thermometer. Die
wahre Geschichte ist allerdings etwas komplizierter. Zu jener Zeit war
in Norditalien gerade eine wundersame, J-förmig gebogene
Röhre
in aller Munde. In dieser am einen Ende geschlossen und mit Wasser
gefüllten
Röhre stieg und fiel das Wasser im Laufe des Tages wie bei den
Gezeiten,
und man vermutete den Mond als Ursache der Bewegung. Scherzo,
ein
Trick, schäumte Galileo und nahm sich vor zu zeigen, was das
Wasser
wirklich bewegte - steigende bzw. fallende Temperaturen. Er füllte
eine Glasflasche mit einem dünnen Hals zur Hälfte mit
gefärbtem
Wasser und hängte sie umgekehrt in eine ebenfalls mit
gefärbtem
Wasser gefüllte Schüssel. Stieg die Temperatur, dehnte sich
die
Luft in der Flasche aus, fiel die Temperatur, zog sie sich zusammen:
Dadurch
bewegte sich die Wassersäule im Flaschenhals nach unten oder nach
oben.
Galileos
Gerät war kein Thermometer,
sondern ein Thermoskop. Es zeigte zwar Wärme an, besaß aber
keine Skala, auf der man die relative Wärme ablesen konnte.
Außerdem
hat Galileo dieses Thermoskop vermutlich nicht erfunden, sondern nur
ein
Gerät von Santorio, einem Kollegen und Professor für Medizin
in Padua, für seine Zwecke umfunktioniert. Die beiden versuchten
damals
ein Experiment nachzuvollziehen, das Heron von Alexandria im 1.
Jahrhundert
v. Chr. durchgeführt hatte, das allerdings seinerseits an eine
Arbeit
von Philon von Byzanz aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. angelehnt war. Es
gibt Dokumente, aus denen hervorgeht, dass Galileo 1589 die
italienische
Übersetzung von Herons Pneumatika gelesen hatte .
Auf dem Gebiet
von Kälte und
Hitze gab es noch viel zu entdecken, und wie Bacon es formulierte: „Es
wäre im höchsten Maße töricht - und
fahrlässig
- zu glauben, dass Dinge, die bis dato nicht getan wurden, ohne Mittel
zu bewerkstelligen wären, die bis dato niemand versuchte.“ In der
Geschichte der Kälte hatten der Magier wie der Naturphilosoph und
der beharrliche Experimentator ihren Auftritt. Jetzt war die Zeit des
Werkzeugmachers
gekommen, um die Mittel an die Hand zu geben, „die bis dato niemand
versuchte“
- Geräte, die es den Möchtegernerforschern der extremen
Temperaturen
erlauben sollten, weiter vorzudringen, viel dazuzulernen und Dinge zu
bewerkstelligen,
„die bis dato niemand getan hatte“.
(Copyright
Rowohlt Taschenbuch
Verlag 2001)
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Paul
Wilson
Zur
Ruhe kommen.
Einfache
Wege zur Meditation
Rowohlt
TB Verlag 1998
ISBN
3-499-60533-3
|
Auszug (S. 67 ff.):
Das
Ruhe-Zentrum
In jedem von uns
gibt es einen Ort, den wir als das Innerste, den Kern
unseres Seins, betrachten. Für die meisten modernen Denker ist das
wohl das Gehirn. Für die alten Ägypter (und später die
Griechen
und Römer) war es das Herz oder die Leber. In anderen Teilen der
Welt
wurde seine Lage verschieden beschrieben: am Ende der Wirbelsäule,
in der Magengrube, in der Hypophyse (im England des 19. Jahrhunderts)
und
im Hypothalamus (für Inder: das Ajna-Chakra). Letzteres
interessiert
uns hier.
Der Hypothalamus ist
ein ungewöhnlicher Gehirnbereich. In einigen
fernöstlichen Sekten hält man ihn für den Sitz der
Seele.
Er liegt direkt hinter der Stelle, an der viele alte
Ordensgemeinschaften
das „dritte Auge“ vermuteten. (Das „dritte Auge“ öffnet sich bei
bestimmten
Meditationsformen im übertragenen Sinn, wenn die echten Augen
geschlossen
sind.) Diejenigen, die den Hypothalamus für den Sitz der Seele
halten,
visualisieren ihn als einen Lichtpunkt in der Mitte der Stirn. (Legen
Sie
Ihren Finger knapp oberhalb der Nasenwurzel zwischen Ihren Augen auf
die
Stirn. Der Hypothalamus befindet sich etwa sieben bis neun Zentimeter
von
dieser Stelle entfernt.)
In den modernen
Streßstudien spielt der Hypothalamus eine sehr
wichtige Rolle. Der Hypothalamus schüttet nämlich bei Gefahr
oder Aufregung ein Hormon in die Hypophyse aus, das
Corticotropin-Releasing-Hormon
(CRH), ein Hormon, das seinerseits ein Hormon, das Corticotropin,
freisetzt.
Die Hypophyse gibt daraufhin Hormone in den Blutkreislauf ab. Das
führt
dazu, daß Ihre Nebennieren Adrenalin ausschütten, das
wiederum
Ihren Puls und Ihre Atemfrequenz hochtreibt. Außerdem fährt
es zeitweilig Ihren Stoffwechsel zurück und bereitet Sie ganz
allgemein
auf die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion vor, über die wir weiter
vorne
bereits gesprochen haben. Das heißt also, daß der
Hypothalamus
für das Steigen Ihres Blutdrucks und Ihres Streßniveaus eine
zentrale Rolle spielt.
Der Hypothalamus ist
zwar für das Entstehen Ihrer Streßsymptome
verantwortlich, andererseits hat er auch zentrale Funktion für die
Umkehr dieses Vorgangs. Er bringt die physiologischen Reaktionen
nicht
nur in Gang, er hemmt sie auch. Der Hypothalamus ist das Organ, das den
Herzschlag verlangsamt, den Blutdruck senkt, die Körpertemperatur
reguliert und den Stoffwechsel überwacht. Der Hypothalamus sorgt
dafür,
daß Sie wach oder aufmerksam bleiben, und er kontrolliert die
psychosomatischen
Einflüsse auf Ihre Gesundheit. Es ist der Hypothalamus, bei dem
gleichsam
die Fäden all der Körperfunktionen zusammenlaufen, die
darüber
entscheiden, ob Sie Sorge oder Gelassenheit empfinden. Zusammen mit dem
Kleinhirn und dem limbischen System steuert er die Emotionen, die
Wahrnehmung
und noch eine ganze Reihe anderer geistiger Funktionen. Kurz gesagt,
stellt
der Hypothalamus einen Knotenpunkt und ein außerordentlich
wichtiges
Bindeglied zwischen Körper und Geist dar; er ist das wahre Zentrum
unseres Bewußtseins!
Der gedankliche
Sprung ist nun nicht mehr allzu groß, und wir
können den Hypothalamus als unser Ruhe-Zentrum betrachten. Er
steuert
und aktiviert nicht nur alle Mechanismen, die den Ruhe-Zustand
herstellen;
er ist nicht nur der Knotenpunkt all unserer Gefühle, Gedanken und
Entscheidungen; er ist auch der einzige Ort, an dem Sie wahrhaft Ruhe
und
Frieden erfahren können. Zwar liegt die Existenz dieses Ortes
außerhalb
unserer Wahrnehmungsfähigkeit, aber die meisten Menschen
spüren,
daß es in jedem von uns eine Zufluchtstätte und einen
sicheren
Hafen gibt, der sich nicht mit wissenschaftlichen oder
medizinisch-psychologischen
Worten beschreiben läßt. Das ist Ihr Ruhe-Zentrum.
Das Ruhe-Zentrum ist
nichts Kompliziertes. Es kennt weder Nervosität
noch Angst, Enttäuschung, Mißtrauen, Zweifel oder Neid. Es
ist
im Frieden mit der Welt, mit dem Sein. Es steht über Ihren
alltäglichen
Gefühlen, Gedankengängen und seelischen Prozessen. Mit diesem
Zentrum treten Sie während Ihrer Meditation in Verbindung; hier
entspringt
Ihre Ruhe-Formel.
Ich sollte betonen,
daß es eigentlich nicht notwendig ist, das
Ruhe-Zentrum so genau auszumachen. Wichtig ist, daß Ihre
Ruhe-Formel
aus Ihrem tiefsten Inneren kommt, von einem Ort, der über dem
Denken steht. Dann können Sie Ihre undisziplinierten Gedanken
nämlich
ignorieren, statt sie durch Verdrängen ausblenden zu wollen, und
Ihre
Aufmerksamkeit ganz auf Ihre Ruhe-Formel konzentrieren. Bevor Sie es
merken,
werden Ihre Ablenkungen vergessen sein, Ihr Geist wird von der
Ruhe-Formel
ausgefüllt und Sie meditieren.
(Copyright
Rowohlt Taschenbuch
Verlag 1998)
|
H.L.
Needleman, Ph.J. Landrigan
Umweltgifte:
So
schützen Sie Ihr
Kind
TRIAS
1996
ISBN
3-89373-336-1
|
Auszug (S. 48 ff.):
Neurotoxine
und ihre verschiedenen Auswirkungen
Giftstoffe
können Psychosen
verursachen. Der verrückte Hutmacher aus Alice im Wunderland
ist ein Beispiel für eine sogar in die Literatur eingegangene
bekannte
Berufskrankheit im England des 19. Jahrhunderts. Hutmacher benutzten
Quecksilber,
um Filz zu präparieren und nahmen dabei oft große Mengen
auf.
Einige Lösemittel und organische Substanzen, aber auch Blei, rufen
psychotische Zustände hervor. Als man in den zwanziger Jahren
damit
begann, Bleitetraethyl als Zusatz zum Benzin zu produzieren, kam es in
zwei Du Pont-Werken in New Jersey zu einer Welle psychotischer Symptome
unter den Arbeitern. Etwa 300 Arbeiter durchlebten eine Psychose;
einige
wenige starben. Das Gebäude, in dem das Bleitetraethyl hergestellt
wurde, erhielt den Namen "Haus der Schmetterlinge": Die betroffenen
Arbeiter
sahen Insekten auf sich herumkrabbeln und versuchten, sie von ihrem
Körper
abzustreifen. Bei jedem plötzliche Ausbruch psychotischer Symptome
sollte man im Rahmen der Ursachenforschung auch an Neurotoxine denken.
Toxine können Demenz
verursachen. Demenz bedeutet den Verlust der geistigen
Fähigkeiten,
sie wird häufig auch mit "Verblödung" oder
"Altersschwachsinn"
umschrieben. Zu den Symptomen zählen Gedächtnisverlust,
Zerstreutheit,
Desorientierung (die Patienten wissen nicht mehr, wo sie sind und wer
sie
sind, oder verlieren das Zeitgefühl). In zunehmendem Maße
interessiert
man sich für die Rolle von Neurotoxinen bei
alzheimerähnlichen
Erkrankungen. Bei diesen Krankheiten kommt es zu vorzeitiger und rasch
fortschreitender Gehirnalterung. Eine Theorie schreibt dem Aluminium
eine
Beteiligung an der Alzheimer-Krankheit zu, doch sie kann nocht nicht
als
gesichert betrachtet werden.
Neurotoxine nehmen
Einfluß
auf die sexuelle Entwicklung. Die Ähnlichkeit mancher
Umweltchemikalien
mit Östrogenen wirft die Frage auf, ob diese die
Geschlechtsentwicklung
im Gehirn beeinflussen können. Das Gehirn ist sexuell
zweigestaltig,
d.h. nach abgeschlossener Entwicklung sind die Gehirne von Männern
und Frauen anatomisch verschieden. Zu Beginn der Fötalzeit sind
alle
Gehirne noch gleich, nämlich von der Organisation her weiblich
aufgebaut.
Sobald sich beim männlichen Fötus die Hoden entwickeln,
beginnt
unter dem Einfluß von Testosteron eine Umorganisation im Gehirn.
Es gibt deutliche Hinweise darauf, daß bestimmte hormonhaltige
Medikamente
- seien sie vermännlichend oder verweiblichend - in diesen
Prozeß
eingreifen. Auch einige Chemikalien, insbesondere Pestizide,
können
die Entwicklung des Gehirns beeinflussen, indem sie an die
Östrogenrezeptoren
binden. Den Auswirkungen von Neurochemikalien mit östrogenen
Eigenschaften
auf das ungeborenen Kind und den Folgen für Gehirnentwicklung und
Verhalten wird große Aufmerksamkeit geschenkt.
Neurotoxine
können auch die Stimmung
beeinflussen. Bei Arbeitern, die mit Lösemitteln umgehen oder
in der Bleiverarbeitung tätig sind, kommt es häufiger zu
Depressionen,
Wut und Angstzuständen. Neurotoxine beeinträchtigen das
Urteilsvermögen;
eine Vergiftung kann sich in überschießenden Reaktionen und
mangelnder Entschlußfähigkeit äußern.
Die häufigsten
Probleme, die
man in der kindlichen Entwicklung beobachtet, sind Konzentrationsstörungen
und Hyperaktivität. Zwar sind diese Probleme seit
mindestens
50 Jahren bekannt, genauer untersucht werden sie jedoch erst seit
kurzem.
Ob die Häufigkeit dieser Erscheinungen in jünger Zeit
zugenommen
hat, ist nicht sicher. Sie treten bei drei bis zehn Prozent der Kinder
auf.
(Copyright
Georg Thieme Verlag
1996)
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