Übersetzte Bücher - Beispiele

 


Cover Hirn und Meditation


Wolf Singer, Matthieu Ricard
Hirnforschung und Meditation.
Ein Dialog
Suhrkamp (edition unseld) 2008
ISBN 978-3-518-26004-3

Auszug (S. 80):

WS: Somit hat die Meditation zwei Effekte: Zum einen lernt man seine Aufmerksamkeitsmechanismen zu vervollkommnen und die Fähigkeit zu verbessern, die Aufmerksamkeit unter willentlicher Kontrolle an Inhalte zu binden und sie auch rasch wieder zu lösen –

MR: – und sich mit bestimmten Dingen nicht zu beschäftigen, wenn man nicht will –

WS: – und wenn diese Fertigkeit schließlich hinreichend trainiert wurde, läßt sich das Fenster der Aufmerksamkeit willentlich öffnen und schließen, weiten oder verengen. Zum anderen lernt man, seine Aufmerksamkeit auf innere Prozesse zu lenken, sich dadurch mit ihnen vertraut zu machen und sie ins Bewußtsein zu heben. Es scheint sich also um einen zweistufigen Prozeß zu handeln. Zunächst werden die Aufmerksamkeitsmechanismen kultiviert, und dann wird diese Erfahrung genutzt, um innere Zustände zu erforschen und eine bessere Kontrolle über sie zu erlangen.

MR: Das ist richtig. Zuerst lernt man auf die innere Welt zu achten, zu unterscheiden zwischen den Emotionen und Geisteszuständen, die zu Leid führen, und solchen, die das echte Glück wachsen lassen. Danach übt man sich in verschiedenen Fertigkeiten wie Aufmerksamkeit und emotionalem Gleichgewicht. Und zuletzt lernt man das Verweilen im reinen Gewahrsein. Dabei versucht man stets, so etwas wie ein Meta-Bewußtsein aufrechtzuerhalten, das überprüft, ob man nun abgelenkt ist oder nicht, ob man sich an seinen Erfahrungen festhält oder nicht.

(Copyright  Suhrkamp 2008)

Mayr, Konzepte

Ernst Mayr
Konzepte der Biologie
S. Hirzel Verlag 2005
ISBN 3-7776-1372-X




Auszug (S. 96 f.):

Gradualismus versus Saltationismus

Darwins dritte Theorie besagt, dass sich der evolutionäre Wandel stets schrittweise, d. h. allmählich, und nie in Sprüngen vollzieht. Man wird weder die Hartnäckigkeit verstehen können, mit der Darwin auf der graduellen Evolution beharrte, noch den heftigen Widerstand gegen seine Theorie, wenn man sich nicht klar macht, dass zu jener Zeit praktisch jeder dem Essentialismus anhing. Neue Arten, die ja durch Fossilfunde belegt waren, konnten demnach nur aus neuen Ur-Sprüngen heraus entstehen, also durch Saltation. Weil die neuen Arten jedoch perfekt angepasst waren und es keine Hinweise auf häufiges Vorkommen schlecht angepasster Arten gab, sah Darwin nur zwei Alternativen: Entweder mussten diese vollkommen neuen Arten von einem allmächtigen und allwissenden Schöpfer eigens geschaffen worden sein oder – wenn man ohne übernatürliche Kräfte auskommen wollte – sie hatten sich in einem langsamen Prozess schrittweise aus einer früheren Art entwickelt und dabei in jedem Stadium ihre Anpassung aufrechterhalten. Darwin entschied sich für die zweite Alternative.
Die Gradualismus-Theorie bedeutete eine drastische Abkehr von der Tradition. Theorien, die die Entstehung neuer Arten mit Saltationen erklärten, hatte es seit den Vorsokratikern bis hin zu Maupertuis und den Progressionisten unter den Anhängern der Katastrophentheorie gegeben. Diese saltationistischen Theorien waren mit dem Essentialismus vereinbar.
Darwins völlig auf Gradualität aufbauende Evolutionstheorie – nicht nur neue Arten, sondern auch höhere Taxa entstehen durch allmählichen Wandel – rief sofort heftigen Widerstand hervor. Sogar seine engsten Freunde waren unglücklich darüber. Einen Tag vor dem Erscheinen des Origin schrieb T. H. Huxley an Darwin: „Indem du natura non facit saltum so vorbehaltlos übernimmst, lädst du dir eine unnötige Schwierigkeit auf ...“ (Darwin, F. 1887:2, 27) Obwohl ihn Huxley, Galton, Kölliker und andere Zeitgenossen bedrängten, beharrte Darwin hartnäckig auf der Gradualität der Evolution, dabei war er sich des revolutionären Charakters seines Konzepts voll und ganz bewusst. Fast jeder, der irgendwann über die Veränderungen in der organismischen Welt nachgedacht hatte – mit Ausnahme von Lamarck und Geoffroy Saint-Hilaire –, war Essentialist gewesen und hatte zu Saltationen Zuflucht genommen.
Warum Darwin so fest an den Gradualismus glaubte ist nicht ganz klar; diese Frage wurde bislang nicht angemessen untersucht. Höchstwahrscheinlich stellt der Gradualismus eine Erweiterung von Lyells Uniformitarismus von der Geologie auf die organismische Welt dar. Seine Arbeit mit Haustierrassen, insbesondere die mit Tauben, und seine Gespräche mit Tierzüchtern zeigten ihm, wie frappierend verschieden die Endprodukte einer langsamen, schrittweisen Auslese sein konnten. Das passte gut zu seinen Beobachtungen an Spottdrosseln und Schildkröten auf den Galapagos-Inseln, die sich am besten als Folge eines allmählichen Wandels erklären ließen.


(Copyright S. Hirzel Verlag 2005)








Neues aus der Medizin 2005


Reader's Digest
Das Neueste aus der Medizin 2005
Verlag Das Beste 2005
ISBN 3-89915-245-X





Auszug (S. 136):

Brustkrebs - Risikoanalyse per Biochip

Alljährlich erkranken in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 54 000 Frauen an Brustkrebs. Bei 30-50 Prozent kommt es nach der Tumorentfernung zu einem Rückfall. Da sich bisher nicht vorhersagen ließ, welche Frauen Metastasen entwickeln würden, behandelte man die meisten vorsorglich mit Strahlen- oder Chemotherapie. Das heißt, dass auch viele, die durch die Operation allein geheilt gewesen wären, die weitere Therapie und ihre Nebenwirkungen ertragen mussten.

Fortschritt durch Biotechnologie. Auf dem Kongress der europäischen Krebsforscher in Wien und auf der Medizin-Messe MEDICA in Düsseldorf wurden im November 2004 viel versprechende Instrumente vorgestellt, die helfen könnten, Übertherapie zu vermeiden bzw. die individuell richtige Behandlung zu ermitteln: Biochips oder Microarrays genannte Speziallabore im Miniaturformat, mit denen man die genetischen Eigenschaften von Tumorgewebe analysieren kann.

So funktioniert es. Tumorzellen unterscheiden sich nicht nur vom gesunden Gewebe, es gibt auch verschiedene Brustkrebstypen. Bei diesen sind auf der molekularen Ebene sind jeweils unterschiedliche Gene aktiv. Auf den daumennagelgroßen Biochips befinden sich genau definierte DNA-Abschnittel. Werden Proben von Tumorgewebe darauf gegeben, in denen passende Gegenstücke enthalten sind, entstehen fluoreszierende Verbindungen, die unter UV-Licht sichtbar werden. Das Verteilungsmuster der Leuchtpunkte erlaubt dann Rückschlüsse auf Art und Zustand des Tumors.

Der DualChip human breast cancer der Hamburger Firma Eppendorf z. B. enthält über 200 Gene zur Typisierung von Brustkrebstumoren. Seine Zuverlässigkeit im Vergleich zu normalen Laboruntersuchungen wird derzeit in einer Studie getestet. Auch eine Rotterdamer Forschergruppe überprüft eine Auswahl von 76 Genen mit dem Genchip eines amerikanischen Herstellers in einer größeren Studie. Sollten sich die Ergebnisse von Vorstudien bestätigen, dann könnte man bei etwa 30-40 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs, deren Lymphknoten jedoch noch nicht von der Krankheit befallen sind, guten Gewissens auf eine Chemotherapie verzichten, meint Dr. med. Jan Klijn, der Leiter des Teams.

(Copyright Verlag Das Beste 2005)







ABC der Gartenblumen

Rosenn Le Page, Denis Retournand
ABC der Gartenblumen
Richtig säen, pikieren, pflanzen und pflegen
Gondrom 2005
ISBN3-8112-2466-2


Textbeispiel (S. 166f.):

Ranunkel (Ranunculus asiaticus)

Die Ranukel möchte wenigstens den halben Tag lang Sonne haben. Sie bevorzugt durchlässige nährstoffreiche Kalkböden. Zum Pflanzen in Töpfe sollten Sie ein leicht saures, durchlässiges Substrat verwenden. Ranunkeln sind nicht frosthart und können nur in milden Gegenden im Freien überwintert werden.

Kulturanleitung

Pflanzen
Ranunkeln pflanzt man im September-Oktober. Legen Sie die klauenförmigen Wurzelknollen am Abend vorher in lauwarmes Wasser.
Am nächsten Tag breiten Sie die  Knollen so gut wie möglich in den etwa 10 cm tiefen Pflanzlöchern aus und bedecken sie mit Kompost. Der Pflanzabstand beträgt 15 cm. Die ersten Blätter werden erst im nächsten Frühjahr erscheinen.
Bedecken Sie die Ranunkeln, die Sie in den Garten gepflanzt haben, im ersten Winter unbedingt mit einer dicken Laubschicht.
Zur selben Zeit können Sie Ranunkeln auch in Töpfe pflanzen (Durchmesser 15 cm). Verwenden Sie leicht saure Geranienerde. Die Töpfe bleiben den Winter über im Freien.

Pflegemaßnahmen
Sobald sich die ersten Blüten zeigen, geben Sie einmal pro Woche Blühpflanzendünger ans Gießwasser (auch bei den Ranunkeln im Garten). Gegossen wird, bis sich das Laub gelb färbt.
Markieren Sie den Standort Ihrer Ranunkeln mit einem Hölzchen, denn im Herbst zieht das Laub vollständig ein.

Sortenempfehlungen
Ranunkeln gibt es in allen Farben außer Blau. Zu den schönsten Sorten gehören 'Bloomingdale' F1-Hybriden (25 cm) Topfsorte, 'Victoria' F1-Hybriden (60 cm) Schnittsorte.

(Copyright Gondrom 2005)

 
 
 
 
 Titelbild Mythos Cholesterin

Uffe Ravnskov, Udo Pollmer
Mythos Cholesterin
Die zehn größten Irrtümer
S. Hirzel Verlag 2002
ISBN 3-7776-1181-6
 
 
 


Auszug (S. 46 f.):

Cholesterin in der Nahrung

Seit Jahren wird uns gepredigt, wir sollten weniger cholesterinreiche Lebensmittel essen, weil das Cholesterin in der Nahrung die Cholesterinspiegel im Blut steigen lässt, und wenn das Cholesterin im Blut hoch ist, droht der Infarkt. Wenden wir uns den vermeintlichen "Opfern" einer übermäßigen Cholesterinzufuhr zu. Sie sind ideale Versuchspersonen zur Überprüfung der These. Stimmt sie, müssen sie mehr Cholesterin gegessen haben als Menschen ohne Anzeichen einer koronaren Herzkrankheit. Die Forschungsergebnisse sagen jedoch etwas anderes. Tabelle 2 enthält die Daten von Studien, die den Cholesterinverzehr von gesunden Menschen mit dem von KHK-Patienten verglichen.
Wie Sie ohne Weiteres erkennen können, gibt es keine größeren Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. In manchen Studien hatten die KHK-Patienten ein wenig mehr Cholesterin gegessen als die Kontrollpersonen, aber in ebenso vielen war es genau umgekehrt. Wenn man alle Studien zusammen betrachtet, hatten die Patienten mit koronarer Herzkrankheit im Schnitt 508 mg Cholesterin pro Tag zu sich genommen, also weniger als die Kontrollpersonen. Deren durchschnittlicher Cholesterinkonsum lag nämlich bei 518 mg. Wenn die Fett-und-Cholesterin-Theorie zuträfe, müsste aber der Cholesterinverzehr der KHK-Patienten signifikant höher sein als der der Vergleichspersonen. War er aber nicht.

Unterm Strich

Die vielen Studien, die durchgeführt wurden, um die Fett-und-Cholesterin-Theorie zu testen, zeigten lediglich eine schwache Korrelation zwischen der koronaren Herzkrankheit in verschiedenen Ländern und dem dort verfügbaren Nahrungsfett. Aber es gibt keinen Unterschied zwischen dem Fettkonsum von gesunden Menschen und KHK-Patienten. Aus diesem Grund kann der untersuchte Faktor, das Fett, nicht die Ursache der Erkrankung sein.

(Copyright S. Hirzel Verlag 2002)
 

Titelbild Minusgrade

Tom Shachtman
Minusgrade -  Auf der Suche
nach dem absoluten Nullpunkt

Rowohlt TB Verlag 2001
ISBN 3-499-61118-X


Auszug (S. 50 f.):

Krieg der Thermometer

Die wissenschaftshistorische Kurzversion lautet: In einem Geniestreich erfand Galileo 1592 das Thermometer. Die wahre Geschichte ist allerdings etwas komplizierter. Zu jener Zeit war in Norditalien gerade eine wundersame, J-förmig gebogene Röhre in aller Munde. In dieser am einen Ende geschlossen und mit Wasser gefüllten Röhre stieg und fiel das Wasser im Laufe des Tages wie bei den Gezeiten, und man vermutete den Mond als Ursache der Bewegung. Scherzo, ein Trick, schäumte Galileo und nahm sich vor zu zeigen, was das Wasser wirklich bewegte - steigende bzw. fallende Temperaturen. Er füllte eine Glasflasche mit einem dünnen Hals zur Hälfte mit gefärbtem Wasser und hängte sie umgekehrt in eine ebenfalls mit gefärbtem Wasser gefüllte Schüssel. Stieg die Temperatur, dehnte sich die Luft in der Flasche aus, fiel die Temperatur, zog sie sich zusammen: Dadurch bewegte sich die Wassersäule im Flaschenhals nach unten oder nach oben.
Galileos Gerät war kein Thermometer, sondern ein Thermoskop. Es zeigte zwar Wärme an, besaß aber keine Skala, auf der man die relative Wärme ablesen konnte. Außerdem hat Galileo dieses Thermoskop vermutlich nicht erfunden, sondern nur ein Gerät von Santorio, einem Kollegen und Professor für Medizin in Padua, für seine Zwecke umfunktioniert. Die beiden versuchten damals ein Experiment nachzuvollziehen, das Heron von Alexandria im 1. Jahrhundert v. Chr. durchgeführt hatte, das allerdings seinerseits an eine Arbeit von Philon von Byzanz aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. angelehnt war. Es gibt Dokumente, aus denen hervorgeht, dass Galileo 1589 die italienische Übersetzung von Herons Pneumatika gelesen hatte .
Auf dem Gebiet von Kälte und Hitze gab es noch viel zu entdecken, und wie Bacon es formulierte: „Es wäre im höchsten Maße töricht - und fahrlässig - zu glauben, dass Dinge, die bis dato nicht getan wurden, ohne Mittel zu bewerkstelligen wären, die bis dato niemand versuchte.“ In der Geschichte der Kälte hatten der Magier wie der Naturphilosoph und der beharrliche Experimentator ihren Auftritt. Jetzt war die Zeit des Werkzeugmachers gekommen, um die Mittel an die Hand zu geben, „die bis dato niemand versuchte“ - Geräte, die es den Möchtegernerforschern der extremen Temperaturen erlauben sollten, weiter vorzudringen, viel dazuzulernen und Dinge zu bewerkstelligen, „die bis dato niemand getan hatte“.

(Copyright Rowohlt Taschenbuch Verlag 2001)
 


 
 
 
 

Titelbild Ruhe

Paul Wilson
Zur Ruhe kommen. 
Einfache Wege zur Meditation
Rowohlt TB Verlag 1998
ISBN 3-499-60533-3


Auszug (S. 67 ff.):

Das Ruhe-Zentrum

In jedem von uns gibt es einen Ort, den wir als das Innerste, den Kern unseres Seins, betrachten. Für die meisten modernen Denker ist das wohl das Gehirn. Für die alten Ägypter (und später die Griechen und Römer) war es das Herz oder die Leber. In anderen Teilen der Welt wurde seine Lage verschieden beschrieben: am Ende der Wirbelsäule, in der Magengrube, in der Hypophyse (im England des 19. Jahrhunderts) und im Hypothalamus (für Inder: das Ajna-Chakra). Letzteres interessiert uns hier.

Der Hypothalamus ist ein ungewöhnlicher Gehirnbereich. In einigen fernöstlichen Sekten hält man ihn für den Sitz der Seele. Er liegt direkt hinter der Stelle, an der viele alte Ordensgemeinschaften das „dritte Auge“ vermuteten. (Das „dritte Auge“ öffnet sich bei bestimmten Meditationsformen im übertragenen Sinn, wenn die echten Augen geschlossen sind.) Diejenigen, die den Hypothalamus für den Sitz der Seele halten, visualisieren ihn als einen Lichtpunkt in der Mitte der Stirn. (Legen Sie Ihren Finger knapp oberhalb der Nasenwurzel zwischen Ihren Augen auf die Stirn. Der Hypothalamus befindet sich etwa sieben bis neun Zentimeter von dieser Stelle entfernt.)

In den modernen Streßstudien spielt der Hypothalamus eine sehr wichtige Rolle. Der Hypothalamus schüttet nämlich bei Gefahr oder Aufregung ein Hormon in die Hypophyse aus, das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH), ein Hormon, das seinerseits ein Hormon, das Corticotropin, freisetzt. Die Hypophyse gibt daraufhin Hormone in den Blutkreislauf ab. Das führt dazu, daß Ihre Nebennieren Adrenalin ausschütten, das wiederum Ihren Puls und Ihre Atemfrequenz hochtreibt. Außerdem fährt es zeitweilig Ihren Stoffwechsel zurück und bereitet Sie ganz allgemein auf die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion vor, über die wir weiter vorne bereits gesprochen haben. Das heißt also, daß der Hypothalamus für das Steigen Ihres Blutdrucks und Ihres Streßniveaus eine zentrale Rolle spielt.

Der Hypothalamus ist zwar für das Entstehen Ihrer Streßsymptome verantwortlich, andererseits hat er auch zentrale Funktion für die Umkehr dieses Vorgangs. Er bringt die physiologischen Reaktionen nicht nur in Gang, er hemmt sie auch. Der Hypothalamus ist das Organ, das den Herzschlag verlangsamt, den Blutdruck senkt, die Körpertemperatur reguliert und den Stoffwechsel überwacht. Der Hypothalamus sorgt dafür, daß Sie wach oder aufmerksam bleiben, und er kontrolliert die psychosomatischen Einflüsse auf Ihre Gesundheit. Es ist der Hypothalamus, bei dem gleichsam die Fäden all der Körperfunktionen zusammenlaufen, die darüber entscheiden, ob Sie Sorge oder Gelassenheit empfinden. Zusammen mit dem Kleinhirn und dem limbischen System steuert er die Emotionen, die Wahrnehmung und noch eine ganze Reihe anderer geistiger Funktionen. Kurz gesagt, stellt der Hypothalamus einen Knotenpunkt und ein außerordentlich wichtiges Bindeglied zwischen Körper und Geist dar; er ist das wahre Zentrum unseres Bewußtseins!

Der gedankliche Sprung ist nun nicht mehr allzu groß, und wir können den Hypothalamus als unser Ruhe-Zentrum betrachten. Er steuert und aktiviert nicht nur alle Mechanismen, die den Ruhe-Zustand herstellen; er ist nicht nur der Knotenpunkt all unserer Gefühle, Gedanken und Entscheidungen; er ist auch der einzige Ort, an dem Sie wahrhaft Ruhe und Frieden erfahren können. Zwar liegt die Existenz dieses Ortes außerhalb unserer Wahrnehmungsfähigkeit, aber die meisten Menschen spüren, daß es in jedem von uns eine Zufluchtstätte und einen sicheren Hafen gibt, der sich nicht mit wissenschaftlichen oder medizinisch-psychologischen Worten beschreiben läßt. Das ist Ihr Ruhe-Zentrum.

Das Ruhe-Zentrum ist nichts Kompliziertes. Es kennt weder Nervosität noch Angst, Enttäuschung, Mißtrauen, Zweifel oder Neid. Es ist im Frieden mit der Welt, mit dem Sein. Es steht über Ihren alltäglichen Gefühlen, Gedankengängen und seelischen Prozessen. Mit diesem Zentrum treten Sie während Ihrer Meditation in Verbindung; hier entspringt Ihre Ruhe-Formel.

Ich sollte betonen, daß es eigentlich nicht notwendig ist, das Ruhe-Zentrum so genau auszumachen. Wichtig ist, daß Ihre Ruhe-Formel aus Ihrem tiefsten Inneren kommt, von einem Ort, der über dem Denken steht. Dann können Sie Ihre undisziplinierten Gedanken nämlich ignorieren, statt sie durch Verdrängen ausblenden zu wollen, und Ihre Aufmerksamkeit ganz auf Ihre Ruhe-Formel konzentrieren. Bevor Sie es merken, werden Ihre Ablenkungen vergessen sein, Ihr Geist wird von der Ruhe-Formel ausgefüllt und Sie meditieren.

(Copyright Rowohlt Taschenbuch Verlag 1998)
 


 
 
 
 

Titelbild Umweltgifte

H.L. Needleman, Ph.J. Landrigan
Umweltgifte: 
So schützen Sie Ihr Kind
TRIAS 1996
ISBN 3-89373-336-1


Auszug (S. 48 ff.):

Neurotoxine und ihre verschiedenen Auswirkungen

Giftstoffe können Psychosen verursachen. Der verrückte Hutmacher aus Alice im Wunderland ist ein Beispiel für eine sogar in die Literatur eingegangene bekannte Berufskrankheit im England des 19. Jahrhunderts. Hutmacher benutzten Quecksilber, um Filz zu präparieren und nahmen dabei oft große Mengen auf. Einige Lösemittel und organische Substanzen, aber auch Blei, rufen psychotische Zustände hervor. Als man in den zwanziger Jahren damit begann, Bleitetraethyl als Zusatz zum Benzin zu produzieren, kam es in zwei Du Pont-Werken in New Jersey zu einer Welle psychotischer Symptome unter den Arbeitern. Etwa 300 Arbeiter durchlebten eine Psychose; einige wenige starben. Das Gebäude, in dem das Bleitetraethyl hergestellt wurde, erhielt den Namen "Haus der Schmetterlinge": Die betroffenen Arbeiter sahen Insekten auf sich herumkrabbeln und versuchten, sie von ihrem Körper abzustreifen. Bei jedem plötzliche Ausbruch psychotischer Symptome sollte man im Rahmen der Ursachenforschung auch an Neurotoxine denken.

Toxine können Demenz verursachen. Demenz bedeutet den Verlust der geistigen Fähigkeiten, sie wird häufig auch mit "Verblödung" oder "Altersschwachsinn" umschrieben. Zu den Symptomen zählen Gedächtnisverlust, Zerstreutheit, Desorientierung (die Patienten wissen nicht mehr, wo sie sind und wer sie sind, oder verlieren das Zeitgefühl). In zunehmendem Maße interessiert man sich für die Rolle von Neurotoxinen bei alzheimerähnlichen Erkrankungen. Bei diesen Krankheiten kommt es zu vorzeitiger und rasch fortschreitender Gehirnalterung. Eine Theorie schreibt dem Aluminium eine Beteiligung an der Alzheimer-Krankheit zu, doch sie kann nocht nicht als gesichert betrachtet werden.

Neurotoxine nehmen Einfluß auf die sexuelle Entwicklung. Die Ähnlichkeit mancher Umweltchemikalien mit Östrogenen wirft die Frage auf, ob diese die Geschlechtsentwicklung im Gehirn beeinflussen können. Das Gehirn ist sexuell zweigestaltig, d.h. nach abgeschlossener Entwicklung sind die Gehirne von Männern und Frauen anatomisch verschieden. Zu Beginn der Fötalzeit sind alle Gehirne noch gleich, nämlich von der Organisation her weiblich aufgebaut. Sobald sich beim männlichen Fötus die Hoden entwickeln, beginnt unter dem Einfluß von Testosteron eine Umorganisation im Gehirn. Es gibt deutliche Hinweise darauf, daß bestimmte hormonhaltige Medikamente - seien sie vermännlichend oder verweiblichend - in diesen Prozeß eingreifen. Auch einige Chemikalien, insbesondere Pestizide, können die Entwicklung des Gehirns beeinflussen, indem sie an die Östrogenrezeptoren binden. Den Auswirkungen von Neurochemikalien mit östrogenen Eigenschaften auf das ungeborenen Kind und den Folgen für Gehirnentwicklung und Verhalten wird große Aufmerksamkeit geschenkt.

Neurotoxine können auch die Stimmung beeinflussen. Bei Arbeitern, die mit Lösemitteln umgehen oder in der Bleiverarbeitung tätig sind, kommt es häufiger zu Depressionen, Wut und Angstzuständen. Neurotoxine beeinträchtigen das Urteilsvermögen; eine Vergiftung kann sich in überschießenden Reaktionen und mangelnder Entschlußfähigkeit äußern.

Die häufigsten Probleme, die man in der kindlichen Entwicklung beobachtet, sind Konzentrationsstörungen und Hyperaktivität. Zwar sind diese Probleme seit mindestens 50 Jahren bekannt, genauer untersucht werden sie jedoch erst seit kurzem. Ob die Häufigkeit dieser Erscheinungen in jünger Zeit zugenommen hat, ist nicht sicher. Sie treten bei drei bis zehn Prozent der Kinder auf. 

(Copyright Georg Thieme Verlag 1996)
 


 
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